Verregneter Kauderwelsch

Nun ist es wohl endgültig. Der Sommer ist, trotz Klimaerwärmung, von uns gegangen. Der Herbst zeigt sich von seiner vorerst nassen Seite. Draußen regnet es in Strömen. Mein Sohn liegt krank im Bett und ich wollte eigentlich vor meiner Spätschicht noch ins Büro, um mich meinem Upcycle-Taschen zu widmen. Doch der Regen, der irgendwie beruhigend an die Dachliegefenster peitscht, drückt mich mit all seiner Macht aufs Sofa. Smiley

Schreiben

Vorhin beim Abwaschen überkam mich die Lust zum Schreiben. Mit aufgebabbelten Fingern haue ich nun sanft in die Tasten. Aktuell habe ich keine Ahnung, über was ich schreiben soll, kann, darf…
Reichlich 2 Stunden bleiben mir noch, bevor die Bäckertheke mich im horizontalen Zustand benötigt.

Schon krass, wie schnell die Zeit vergeht. Hab ich nicht erst beim Bäcker begonnen? Anfangs dachte ich, dass ich ewig brauche, um die Abläufe intus zu haben. Ich war getrieben von Unsicherheit und Perfektionismus im gleichen Maße.
Wenn ich nicht weiß, wie ich auf jemanden reagieren soll oder was ich machen kann, stelle ich Fragen. Im Übrigen stelle ich gern Fragen.

Nach dem 3. Lohneingang bin ich zwar noch kein alter Hase hinter der Theke, aber ich fühle mich sicherer in dem, was ich tue. Meine Quadratlatschen haben sich an die Tortur gewöhnt. Ich sage dir, nach dem ersten Arbeitstag spürte ich nur noch Schmerzen in den Beinen. Jedes Pulsieren zog eine neue Schmerzlawine nach sich. Ich lag auf dem Sofa und war einfach nur noch breit. Und das soll bei meiner schmalen Körperfülle etwas heißen. Zwinkerndes Smiley

Das größte Problem, dachte ich zu Beginn, werden die Kunden für mich sein. Ich als introvertierter Mensch, bin an sich nicht für jeden so zugänglich. Diese Befürchtung löste sich bereits am ersten Tag in Wohlgefallen auf. Ja, ich war noch leicht verkrampft. Mit der Zeit wurde ich immer lockerer. Ja, mir macht das regelrecht Spaß, mich mit den unterschiedlichen Kundencharakteren, die etwas Essbares von mir wollen, zu konfrontieren.

Mittlerweile bin ich so in dem Job angekommen, dass ich einige Stammkunden erkenne. Anfangs begriff ich nicht, warum ein Mann und eine Frau nichts anderes zu tun haben, als jeden Tag die Bäckertheke leer zu kaufen. Ich sah immer nur 2 Gesichter. Abgesehen von den Kollegen und Vorgesetzten, die mich – in diesem mir vorher unbekannten Tätigkeitsspektrum –  unterstützen.

Ich hätte nie gedacht, dass mir eine so vermeintlich einfache Arbeit (die Komplexität war mir nicht bewusst) einmal Spaß machen würde. Zumal ich schon eine Scheu vor Menschen habe. Naja, nicht ausgeprägt und die Scheu ist nicht primär, aber eine einsamere Berufung hätte ich eher gewählt, wenn ich die Auswahl gehabt hätte.

Gefühl

Rein vom Gefühl, war es genau richtig, dass ich meine Komfortzone verlassen habe. Nach jahrelangem selbständigen Kampf in der Prävention (hinsichtlich Essstörungen), um ein Umdenken und eine gewisse Sensibilisierung zu erreichen, veränderte ich meinen Standpunkt in Bezug auf eine Vollzeittätigkeit. Die selbständige Freiheit gefällt mir. Mein aktueller Minijob ist ein Kompromiss aus (anfangs) finanzieller Sicht.

Meine Prävention habe ich bewusst auf Eis gelegt, denn mir fehlt die Kraft weiterhin gegen Windmühlen zu kämpfen. Ich wusste, dass es schwer wird. Aber dass es so ein Gladiatorenkampf wird, war mir nicht bewusst. Wie auch… Ich war hochmotiviert und versuchte mich mit meinem Thema an sämtlichen Fronten.

Es sollte nicht sein. Das habe ich erkannt. Auf mein Buch bin ich dennoch stolz. Smiley Generell bin ich nicht komplett erfolglos gewesen. Ein paar tolle Dinge kamen schon ins Rollen. Wie bspw. der TV-Dreh mit dem MDR. Die Aufregung vorher war gigantisch. Die Medien machen dann letztendlich das, was sie machen wollen. Im Nachgang war ich leicht enttäuscht, aber die Erfahrung kann mir keiner nehmen.

Hülle

In den letzten Jahren passierte so einiges in meinem Leben, woran ich noch heute zu Knaupeln habe. Ganz tief drin, ganz tief in mir verborgen. Ich verdränge gern, oder ich rede es mir schön, oder ich überdecke es mit Arbeit bzw. mit Geschehnissen aus meinem Alltag. Es fühlt sich gelegentlich an wie ein großes Pickel, welches bei jeder Berührung schmerzt. Also vermeidet man es vehement, an die wunde Stelle zu greifen. Und genauso mache ich es auch.

Das funktioniert bis zu einem gewissen Punkt. Irgendwann bricht das Pickel auf. Der Druck ist weg. Die Sauerei ist da. Unausweichlich… Dem stelle ich mich aktuell, irgendwie zumindest.

Ich bin eine Hülle, fast leer. Müsste ich morgens nicht mit dem Hund raus, würde ich an manchen Tagen im Bett in meiner Traumwelt bleiben. Ich bin ein pflichtbewusster Mensch. Deshalb ist zwar das Verlangen nach Ruhe da, aber ich kann dem Wunsch nur schwer stattgeben. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Suche

Was nicht nur Ruhe kommt, sind meine Gedanken. Ich grüble nicht. Nein… Seit ich die Prävention ins Eis verbannt habe, sucht mein Kopf ständig nach neuem Input. Ich fühle mich wie in einem Paradies. Überall neue Themen, die mein Interesse wecken. Am liebsten würde ich mich 4 Woche auf eine Insel pappen, um dort in aller Ruhe zu lesen. Ich möchte alte Bilder, meine alten Bilder, durch neue – vermeintlich spannendere – ersetzen.

Die Insel ruft. Ich höre die Insel schon. Am Freitag geht´s los. Eine Woche am Arsch der Welt. Meer, Seeluft, Strand und Ruhe vor dem Alltag. Es ist eine geplante Flucht, von der ich viel erwarte. Ob meine Erwartungen eintreffen, wird sich zeigen. In der Regel habe große Erwartungen an mich. Das bedeutet, dass ich mich auf Abstriche gefasst machen muss. Zwinkerndes Smiley

Ich habe in den letzten Wochen so einige Entscheidungen getroffen, die Türen schließen werden. Logisch, wenn alle Türen offen sind, zieht es nur. Und mich womöglich zieht es mich noch aus einer raus. Zwinkerndes Smiley Es ist wohl an der Zeit, mich neu aufzustellen. Ich bin gespannt, welche Welle mich als nächstes packt. Smiley

Poesie-Album

Ein Schulkamerad schrieb vor gefühlt  50 Jahren in mein Poesie-Album:

Der Humor ist der Schwimmgürtel des Lebens.

Ich verstand es damals nicht. Heute denke ich oft an diese Worte. Denn das stimmt. Ich mag Humor und ich lache, scherze gern. Und genau das tue ich größtenteils hinter der Bäckertheke – mit meinen Kollegen und Kunden.

Ja, natürlich… auch privat. Das klingt so, als habe ich Daheim nichts zu lachen. So soll es auf gar keinen Fall rüberkommen. Smiley

Ende

Wie bekomme ich jetzt die Kurve zu einem vernünftigen Ende? Mir fällt gerade nichts passende ein. Ach was soll´s… Ich lasse es heute mal offen… Smiley

Komm weiterhin gut durch deine Woche. Smiley

Bloggahontas

Ein Gedanke zu “Verregneter Kauderwelsch

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