Das Ich-Eigentum

Im Grundgesetz, Artikel 14, Abs. 2 steht geschrieben: “Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.” Was war gleich nochmal Eigentum? Auf alle Fälle hat Eigentum nicht zwingend etwas mit dem Besitzanspruch zu tun. Das lernte ich bereits in der 8. Klasse im Wirtschaftsunterricht. Und ich? Besitze ich mich, oder bin ich Eigentümer meines Egos?

Wirtschaft mochte ich nicht sonderlich. Mir war das alles zu theoretisch. Angebot und Nachfrage, Buchen von Geschäftsvorfällen, keine Buchung ohne Beleg, Bilanzen, Preisbildung etc.pp. zogen sich wie ein roter Faden durch mein junges Leben. Ein paar BWL- und VWL-Grundlagen sind regelrecht in meiner Erinnerung eingebrannt. Aber wirklich warm wurde ich mit dem Themengebiet, trotz Studium, nicht. Mittlerweile nützt mir mein Wissen aber etwas. Smiley
Heute Morgen sinnierte ich eine wenig darüber nach. Ich bin bzw. mein Körper ist gesundheitlich angeschlagen. Die Nase läuft ein wenig, im Hals kratzt es bisschen mehr und meine Muskeln sind schlaff, aber zum Wehtun reicht die Energie, die er sich aus dem Apfelkuchen zieht, vollkommen aus.
Gestern gönnte ich mir so gut es ging Ruhe. Ich lag frierend im Bett, saß frierend am Schreibtisch oder wuselte frierend in der Wohnung umher, wenn ich nicht mehr liegen konnte. Das ewige Pochen in den Gliedern schlägt auf mein Gemüt.
Meine Unruhe lässt sich davon nicht abbringen. Die krawanzt in mir herum, als sei ich das blühende Leben. Im krankheitsfreiem Zustand ist das schon nervig, aber angeschlagen noch viel mehr. Verdammte Axt! Ich komme nicht runter von meinem hochtourigen Trip.
In dem Zusammenhang, weil ich weiß, dass ich mir nichts Gutes mit meiner stetigen Unruhe tue, kam mir die Floskel “Eigentum verpflichtet …” in den Sinn. Diese Phrase wird gern im Zusammenhang mit Immobilen und Grundstücken und sämtlichen sächlichen Dingen genutzt. Dennoch fragte ich mich: “Gehöre ich mir? Mein Körper ist doch auch mein Eigentum, oder etwa nicht?”
Zugegeben, meine Gedankengänge können skurrile Züge annehmen, aber irgendwie finde ich meine Verknüpfen auch interessant. Zwinkerndes Smiley Jedenfalls bin ich schon der Meinung, dass ich mir selbst gehöre, auch wenn die Außenwelt gern über mein Dasein und meine Lebensform bestimmen möchte und es auch tatkräftig tut. Ja, auch mit voller Absicht in meine Privatsphäre eindringt, ohne das ich es merke. So völlig autark leben, abgeschottet von den westlichen Privilegien, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Oh nein, das möchte ich auch nicht. Ohne TV kann ich gut auskommen, aber ohne Internet nicht. Das Handy gewöhne ich mir gerade mehr oder weniger erfolgreich ab, aber das baut erneut unbändigen Druck in mir auf.
Ich bin kein Opfer der Moderne, eher eine verwöhnte Nutznießerin. Mir fehlt es an nichts, außer eine kleine Portion Gesundheit, die ich gerade im selbstgebackenem Apfelkuchen suche. Zwinkerndes Smiley
In meinen bisherigen Jahren erlebte ich viel, wie jeder andere auch. Es gab Zeiten, die trieben mich in die Verzweiflung, aber es gab auch schöne Erlebnisse. Egal in welcher Lebenslage, ich dachte nie an mein Eigentum, worin sich mein Ich befindet. Ohje, wie schnulzig sich das gerade liest. Trotz unzähliger Selbstverletzungen, Suizidversuche, durchstandene schwerere Erkrankungen komme ich nie nachhaltig auf den Gedanken, auf mich selbst zu achten. Wenn ich ein Tief überwunden habe, gelobe ich mir Besserung. Immer, auch heute noch. Nach drei vier Tagen ist dieser Schwur in den Katakomben der Vergessenheit spurlos verschwunden. Ich nehme es mir vor, doch umsetzen kann ich es nicht.
Wie diesen Sommer, den ich mir mit einer Auszeit versüßen wollte. Euphorisch stürmte ich in die Auszeit, die ich hauptsächlich mit geschäftlichen, existenziellen Gedanken verbrachte. Seit Monaten, ja sogar Jahren, treibt mich eine Unruhe an, die mir mehr schadet als Nutzen einbringt.
Ruhe ist wichtig, schon klar. Ich kenne all die gutgemeinten Äußerungen meiner Umgebung. Man habe Angst um mich, dass ich ausbrenne. Mein Zuckerkonsum könne mich krank machen. Die verschleppten Erkältungen würden sich irgendwann auf mein bereits beeinträchtigtes Herz legen usw.

  • Schone dich! (Wie macht man das?)
  • Ess Vitamine! (Ich mag kein Obst und Gemüse aus dem Discounter.)
  • Schlafe ausreichend! (Würde ich ja gern, aber meine Träume rauben mir die Erholsamkeit.)
  • Daddel weniger am Handy! (Bin ich aktuell dran.)

Ich weiß, dass mein Eigentum mich verpflichtet.
Das was gleich kommt, klingt jetzt total schräg, aber auch darüber machte ich mir die Tage Gedanken. Ich wurde nicht gefragt, ob ich ich sein möchte. Einfach so wurde ich in die Welt geschubst. Zum Glück in eine privilegierte Gesellschaft. Jedes Jahr freue ich mich auf meinen Geburtstag, den ich mir nicht ausgesucht habe. Das ist so selbstverständlich, dass man nicht darüber nachdenken soll(t)e bzw. braucht.
Die Gedanken sind völlig sinnfrei und klingen vielleicht eine Spur depressiv, was ich mit bewusster Gewissheit behaupten kann, dass ich es nicht bin. Sollte ich nicht dankbar sein, dass ich überhaupt leben darf? Werde ich geköpft, wenn ich es nicht bin? Ich kann nicht beurteilen, ob ich dankbar deswegen sein sollte. Ich kenne das Gegenteil nicht. Also, wenn es mich nicht gäbe.
Soll ich das so stehen lassen? Ach du je… Ich sehe dein Kopfschütteln. “Die hat echt nen Schaden!” Smiley Selbst wenn, ich lösche die Sätze nicht. Sch… drauf, hätte ich fast geschrieben. Zwinkerndes Smiley
Wie dem auch sei, ich muss meine innere Unruhe in den Griff kriegen. Ich komme mit ihr zu nichts, denn die hemmt und bremst mich aus. Jeden Tag… Wie einst die aktive Essstörung, ist jetzt die innere Unruhe meine ständige Begleiterin. Erkennen ist das eine, eine Veränderung herbeiführende Tat das andere.
Gedanken sind frei. Lalalalala… Ich gestehe, dass ich darüber nachdenke, den Artikel nicht zu veröffentlichen. Gründe die dies befürworten, gibt es viele. Smiley Aber ein kurioser Text mehr oder weniger im Internet, fällt ja eh nicht auf. Smiley
In dem Sinne, steck dich bloß nicht bei mir an. Smiley

Bloggahontas

4 Gedanken zu “Das Ich-Eigentum

  1. Caritas schreibt:

    Liebe Michaela,
    Ich wünsche dir als erstes gute Besserung!

    Du schreibst mehrmals, dass du Ruhe brauchst, dich aber sehr unruhig, rastlos fühlst. Dann kommen die gutgemeinten Ratschläge von außerhalb, die dir diese Ruhe quasi aufdrängen wollen, was aber nicht funktioniert und dadurch einen großen Druck in dir erzeugen, stimmt das so?

    Ist das der gleiche Druck den du verspürst, wenn du weniger mit dem Handy zu tun haben willst/ sollst?

    Ich habe den Eindruck, dass du ein sehr freiheitsliebender Mensch bist und du deine Unabhängigkeit und Selbständigkeit sehr schätzt. Aus diesem Grund möchtest du dich einerseits nicht vom Internet und Handy und insbesondere den damit verbundenen belanglosen Tätigkeiten so sehr beschäftigen, ablenken lassen und beeinflussen lassen… Genauso wenig aber immer genau nach den gutgemeinten Ratschlägen Anderer Handeln…

    Andererseits möchtest du diese Medien aber doch ganz gern weiter Nutzen, weil sie dein Bedürfnissen nach Selbstbestimmung und auch vielfältiger Möglichkeiten der Wissenserweiterung und Kommunikation entgegen kommen. Stimmt das so?

    Deine Gedanken zum Eigentum des Ich, bzw. des Körpers, indem das ich wohnt, fand ich sehr spannend.
    Ich denke, dass alles, was wir tun, denken und fühlen, jede einzelne Erfahrung, sich in unserem Körper nieder schlägt. Unser Körper ist das Tor zu der Welt, die um uns ist, ohne ihn, könnten wir nicht Leben, keine Erfahrungen machen. Andererseits hinterlässt die Welt, wie wir sie bisher kennen gelernt haben ihre Spuren auf/ in unserem Körper und Geist. Und ich denke, dass ein Zustand von innerer Ruhe und Gelassenheit, dann in unserem Körper und Geist entstehen kann, wenn wir all den vergangenen und gegenwärtigen Empfindungen in unserem Körper die notwendige Aufmerksamkeit gegeben haben, sie beobachten, akzeptieren, wie sie sind und sie letztendlich loslassen können, so dass sie sich auflösen und verschwinden…

    Wenn du deiner inneren Unruhe mal deine volle Aufmerksamkeit gibst, ohne einen Widerstand gegen sie zu entwickeln/ sie weg haben zu wollen, wie fühlt sie sich an?
    Wo in deinem Körper spürst du was? Und wenn du das eine Weile beobachtest, wie entwickelt es sich? Es kann sinnvoll sein, dafür die Augen zu schließen, um keine Ablenkungen/ anderen Sinneseindrücke in diesem Moment zusätzlich zu bekommen. Und welche Gedanken entstehen, wenn du dich auf deine innere Unruhe konzentrierst?
    Wie entwickelt sich dein Atem währenddessen? Kannst du deinen Herzschlag spüren? Wie sind die Empfindungen in deinem Körper, haben sie sich verändert?

    Du musst auf all diese Fragen nicht Antworten, sollte nur mal ne Anregung sein. Entscheide selbst, ob du dir diese Fragen beantworten willst oder nicht… ;-).

    Alles Liebe und Gute dir + eine erholsame Restwoche!

    VG Caritas

    P.S.: Manchmal ist es ganz gut durch Krankheit zur Ruhe gezwungen zu sein, weil man sie sonst ev. nicht nehmen würde. So hat man aber einen Grund/ eine Rechtfertigung vor sich selber, mal faulenzen zu dürfen ;-)…

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    • Hallo Caritas,
      du triffst den Punkt. Deine Gedankenanregungen werde ich mir durch den Kopf gehen lassen. 😉 Ich merke, dass ich aktuell oft das gleiche Thema verfolge, obwohl es so viel mehr gibt. Naja, jetzt heißt es Ärmeln hochkrempeln und den Zustand in mir ändern. 🙂 Das kann nur ich realisieren, schon klar. 😉
      Viele Grüße
      Michaela

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  2. Ja, das Eigentum „Körper“ verpflichtet, nämlich dazu ihm gutes zu tun. Tut man das nicht, bezahlt man dafür mit AUA. 😉

    Toller Artikel! Sehr spannend fand ich die Frage, ob man für das Leben dankbar sein sollte. Wahrscheinlich würden sehr viele Menschen mit einem klaren, selbstverständlichen Ja darauf antworten. Ich bin mir da aber auch nicht so sicher. Ich glaube an das ewige Bestehen der Seele, woraus sich ergibt, dass es ohnehin kein Nicht-Leben geben kann und der Tod lediglich eine Zustandsveränderung ist. Das Leben in dieser „Realität“ zeigt sich für mich jedenfalls mehr als Bürde, wie als Geschenk. Klar kann man auch für eine Bürde dankbar sein, so wie man für alles dankbar sein kann: für einen Unfall, einen Diebstahl, Zahnschmerzen. oder was auch immer. Vielleicht macht es auch Sinn, selbst für vermeintlich Negatives dankbar zu sein, aber daran muss ich wohl noch arbeiten.

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    • Sorry, für die späte Antwort. Ich danke dir für deinen tollen Kommentar.
      Warum müssen wir eigentlich für alles dankbar sein? Ja, ich bin es wirklich – mal mehr, mal weniger. Aber ist Dankbarkeit der Schlüssel zum wahren Glück? Ich weiß es nicht. 😉
      Mein Alltag zeigt im Moment, dass Wohlstand und ein konfliktarmer Weg (bei Kindern) auch seine Tücken hat. Warum sich für etwas einsetzen, oder etwas machen, wenn ich es nicht brauche?
      Ein kurvenreiches Leben bringt einen oftmals näher zum Ich, als ein gerader Weg. 😉 Also, auf dem Trip bin ich aktuell… 🙂

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